Donnerstag, 26. Februar 2009

Die Reise und das Filmen, Teil I

Hey Ihr Alle!
Am Samstag Nachmittag bin ich von Bamenda nach Baham aufgebrochen, um meine Tour zu beginnen, auf der ich eine kleine Dokumentation all der Projekte machen will, die wir mit dem Benefiz Konzert und darüber hinaus (durch diese Internetpräsenz und Email Verteiler) auf vielfältige Weise unterstützen möchten.
Die erste Station war also Baham, ein kleiner Ort mit ca. 4000 Einwohnern am Stadtrand von Bafoussam. Auch wenn ich „klein“ schreibe, heißt das nicht, dass Baham keine kilometerweite Ausdehnung aufweisen kann. Es ist unglaublich, wie weit sich Baham erstreckt, davon konnte ich mir selbst ein Bild machen.
In Baham arbeitet Nico Recknagel, genau wie ich DED-Freiwilliger und im September für ein Jahr in Kamerun angekommen. Seine Aufgaben übersteigen den Unterricht, den er morgens für einige Kinder hält um Vieles. Er ist eine Art Hausmeister und Verwalter zugleich, wenn der Direktor des Zentrums für Kinder und Jugendliche mit Behinderung mal gerade nicht da ist. Dieses Zentrum habe ich mir mal genauer angeschaut.
Am Samstag angekommen konnte ich den Rest des Wochenendes mir schon einen ersten Eindruck des Zentrums für Kinder und Jugendliche mit Behinderung (kurz und auf Französisch: CFRASH) machen. Die Einrichtung ist schlicht, aber hübsch und freundlich gestaltet. Ich konnte aber schon am ersten Tag sehen, dass für die Organisation des Zentrums viel Geld fehlt, vor allem hinsichtlich so notwendiger Dinge, wie das Essen oder die Unterbringung des Kinder/ Jugendlichen.
Am Montag morgen begann dann meine wirkliche Arbeit im Festhalten des Alltags im Zentrum. Der Tag begann mit einer sogenannten „Réunion“, also einem Zusammenkommen aller Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter, um zusammen zu singen, zu beten und sich gegenseitig zu erzählen, wie das Wochenende verlaufen ist und wo es vielleicht Probleme gibt. Falls es Probleme gab oder gibt werden diese in ein Abschlussgebet eingebaut. Auch wenn ich kein religiöser Mensch bin finde ich diese Geste sehr schön.
Danach gab Nico seinen allmorgendlichen Unterricht, den er vier Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen gibt. Zwei der Kinder sind geistig behindert, einer gehörlos und einer körperbehindert. Es hört sich nicht nur schwierig an den Kindern lesen und schreiben einigermaßen beizubringen, es ist auch schwierig, davon konnte ich mir selbst ein Bild machen. Auch ich habe dann mal gegen Ende der Stunde versucht dem gehörlosen Kind, Boris, ein ziemlich intelligenter und aufgeweckter Junge, trotz seiner Verständigungsprobleme mit den anderen Kindern, Multiplikation beizubringen, was auch ansatzweise gut geklappt hat. =)
Danach hatten die Kinder ihr Frühstück, bestehend aus Baguette und Omelette, was schon sehr die Ausnahme ist, wie mir Nico später berichten soll. Nico und ich nutzen die Zeit danach, in der die Kinder und Jugendlichen in ihren Ateliers arbeiten (es gibt ein Atelier, wo Schmuck hergestellt wird und eins wo aus Bambus ganze Möbel von den behinderten Kindern und Jugendlichen angefertigt werden), um unser Interview auf einem Felsen mit unglaublicher Aussicht auf Baham und Umgebung zu machen. Er erzählt von seinen Erfahrungen bei der Arbeit und im alltäglichen Leben in Kamerun, von seinen Zukunftswünschen und den Vorstellungen, die er hat, was mit möglich gesammeltem Geld gemacht werden könnte. „Das Zentrum braucht Geld in jeder Hinsicht, einfach um zu funktionieren. Aber mein Hauptaugenmerk würde ich gerne auf die beiden gehörlosen Kinder, Boris und Rosine, legen, die im Zentrum wohnen. Ihnen den Besuch im Internat für Gehörlose (CERSOM) in Bafoussam zu ermöglichen wäre schon eine super Investition“, so Nico auf dem Felsen.
Nach dem Interview zeigt er mir noch Gebäude, die von CFRASH gebaut wurden, um eine Physiotherapiepraxis zu beherbergen, einerseits für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, andererseits aber auch autonom vom Zentrum als Praxis für die ganze Gemeinde. Das Gebäude sieht sehr gut ausgestattet aus und die Bauqualität ist wirklich gut. „Das einzige Problem ist, dass uns die professionellen Therapeuten fehlen“, so Nico.
Am Nachmittag habe ich ein Interview mit dem Direktor des Zentrums, der die Probleme, die Nico schon angesprochen hat, nochmal bestätigt. Er erzählt aus seinem Leben und vor allem davon, dass er sein gesamtes Erspartes in das Zentrum gesteckt hat, sodass ihm als Rente kaum mehr was übrig bleibt.
Ich rede mit ihm auch über Boris und Rosine und er sagt, dass er sehr glücklich wäre diesen beiden Kindern die Möglichkeit zu geben auf das Internat in Bafoussam zu gehen, da sie einfach lernen würden sich auszudrücken und ihre Isolation in der Gruppe abzulegen lernen.
Da das Zentrum nicht nur ein Atelier für Schmuck und Bambusverarbeitung unterhält, sondern auch ein Integrationsprojekt mitmacht, in dessen Rahmen die Kinder und Jugendlichen des Zentrums zusammen mit professionellen „Kaffeeauslesern“ Bio-Kaffee auslesen, der nach Deutschland exportiert wird. Am Nachmittag gucke ich mir die Auslese an und treffe zufällig den Initiator der ganzen Initiative. Er ist Kameruner, hat aber in Bremen studiert und vor ca. 5 Jahren mit einem deutschen Freund eine Initiative gegründet, die Kleinbauern in der Region um Baham hilft fair entlohnt zu werden, in dem jeder Beteiligte einen angemessenen Anteil am Gesamtprozess bekommt. Im Rahmen dieses Projekts werden eben auch die Behinderten in Nicos Zentrum einbezogen, aber auch Menschen mit Behinderung in Deutschland, wo der Kaffee geröstet, gemahlen und verpackt wird. Ich bin begeistert von der Idee und lasse mir den Kontakt der Firma in Bremen geben.
Am Ende des Tages mache ich noch einen kleinen Rundgang durch das Zentrum, bevor ich mich auf die Reise am nächsten Tag nach Limbé vorbereite. Der Besuch in Baham hat mir sehr viel neues gezeigt und ich hoffe die Aufnahmen sind meinem Eindruck des Zentrums entsprechend gut geworden.
Zumindestens in Baham bin ich mir sehr sicher, dass gesammelte Gelder für sehr gute Zwecke genutzt werden würden und das tut gut!
Beste Grüße mittlerweile aus Limbé und bis die Tage!

Niels

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